Zuflucht im Nachkriegsdeutschland. Politik und Praxis der Flüchtlingsaufnahme in der BRD und DDR 1940–1970

am Sonntag, 2. Oktober 2011 – 10.30 Uhr
Matinee im Max Kade-Saal, Deutsches Auswandererhaus

Prof. Dr. Patrice G. Poutrus, Lehrbeauftragter an der Professur für Zeitgeschichte, Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg

Die Bezeichnung deutscher „Flüchtling” oder „Vertriebener” war in Deutschland nach 1945 kein Ehrentitel. Alteingesessene Einwohner West- oder Mitteldeutschlands zeigten häufig Ressentiments gegenüber den 12 Millionen Zwangszuwanderern, die aus ihrer ostdeutschen oder osteuropäischen Heimat durch alliierte Gewalt vertrieben worden waren.

Der „Umsiedler”-Begriff, der von den Sowjets bereits 1945 in ihrer Besatzungszone verbindlich gemacht wurde, spielte die Anteile von Terror und Gewalt am realen Flucht- und Vertreibungsgeschehen gezielt herunter, um demgegenüber das Geschehene mit den vorangegangenen NS-Verbrechen zu rechtfertigen und die rückhaltlose Integration in eine „neue Heimat” westlich von Oder und Neiße zu fordern. Dieser kommunistischen Deutung strikt entgegengesetzt war der westdeutsche „Vertriebenen”-Begriff, der sich auf das Vertreibungsgeschehen ab 1944/45 (und nicht auf die NS-Vorgeschichte) konzentrierte und das Gewaltsame der Vertreibung betonte.

Während eine  Förderung der „Umsiedler” in der ehemaligen DDR bereits 1952/53 ersatzlos eingestellt wurde, etablierte sich – insbesondere über die Lastenausgleichs-Gesetzgebung –  eine langfristig fördernde Integrationspolitik in Westdeutschland. 

Wir laden herzlich ein!


Von Wesermünde nach Palm Beach. Das Schicksal einer Geestemünder jüdischen Familie aus der Georgstraße von 1938 bis 2010

am Sonntag, 20. November 2011 – 10.30 Uhr
Matinee im New-York-Saal, Deutsches Auswandererhaus

Dr. Dieter Strohmeyer, Freundeskreis Deutsches Auswandererhaus e. V., Bremerhaven

Die Eltern von Dr. Strohmeyer, Inhaber eines Bäckereigeschäfts, und die Familie Ahronheim waren gut miteinander bekannt und lebten in ungestörter Geestemünder Nachbarschaft. In den neunzehnhundertdreißiger Jahren wurden die zunehmenden Repressionen gegen das Spielwarengeschäft der 
Ahronheims in der Georgstraße öffentlich sichtbar, die in der sogenannten "Reichskristallnacht" am 
9. November 1938 gipfelten.
Es gelang Karl und Grete Ahronheim im allerletzten Augenblick, ihre drei Kinder in die USA zu schicken. Sie selbst wurden deportiert und in Minsk ermordet. Die Leidensgeschichte der Ahronheims in Geestemünde ist mit der Familiengeschichte des Referenten eng verwoben und kann daher aus großer Nähe erzählt werden.
In den neunzehnhundertneunziger Jahren nahm Dr. Strohmeyer den Kontakt mit dem überlebenden Sohn der Ahronheims in den USA auf und verfolgt dessen Lebensgeschichte bis heute. Wie erinnert sich Eric Ahronheim an die Geschehnisse in Geestemünde, bevor er im Alter von 14 Jahren in die USA flüchten musste? Mit welchen Gefühlen denkt er an Deutschland zurück? Diese Lebensgeschichte wird in Kürze auch als Buch erscheinen.
Wir freuen uns und laden Sie, Ihre Begleitung und gern auch Ihre Freunde und Bekannte zu diesem besonderen Vortrag in die Räume des Deutschen Auswandererhauses ein.

Amerikanischer Traum, mexikanischer Albtraum – Zur Kontrolle mexikanischer Einwanderung an der U.S.-mexikanischen Grenze

- Veranstaltung abgesagt -
am Sonntag, 21. August 2011 – 10.30 Uhr
Matinee im Max Kade-Saal, Deutsches Auswandererhaus

Kerrin-Sina Arfsten, M.A., Universität Hamburg, Institut für Kriminologische Sozialforschung


"Ich wurde nach Mexiko versetzt..."

am Mittwoch, 27. 07.2011, 18:30 Uhr 1982 bis heute. Von Bremerhaven nach Mexiko. 30 Jahre im Auftrag des Germanischen Lloyd (GL). Moderne Auswanderung, neues Leben, große Schiffe, Karriere und Chancen.

Fritz Grannemann, Mexiko

Außerhalb der sonntäglichen Matineen haben wir aus aktuellem Anlass einen Vortrag in unser Programm aufgenommen, der in der Nachfolge des historischen Rückblicks von Dr. Knauf quasi einen Live-Bericht über Hintergründe und Erlebnisse einer modernen Auswanderung bietet:

Aus beruflichen Gründen hat der Bremerhavener Fritz Grannemann vor nunmehr fast 30 Jahren die Stadt verlassen, um im Auftrage seines Arbeitgebers in Mittelamerika die Dependance des Germanischen Lloyds (GL) auf- und auszubauen. Es folgte eine beeindruckende Entwicklung bei der er zuletzt als Senior Vice President des Germanischen Lloyd für Gesamtamerika zuständig war. Trotzdem hat er immer wieder seine Heimatstadt besucht. Heute lebt Fritz Grannemann in Mexiko.   

Unser Gast berichtet über den Aufbruch in die Fremde und seine beruflichen Aktivitäten. Er geht dabei speziell auf seine Eindrücke in Mexiko und Zentralamerika ein. Als ehemaliger Mitarbeiter der Schiffbaugesellschaft Unterweser in Bremerhaven berichtet er natürlich auch von der „Entwicklung des Containerschiffbaus“. Ein Abend für alle, die neben der Auswanderung ebenfalls an „großen Schiffen“ interessiert sind.


Der Norddeutsche Lloyd und die Auswanderung in Film und Fotografien

am Sonntag, 26. Juni 2011 - 10.30 Uhr
Matinee im Max Kade-Saal, Deutsches Auswandererhaus

Wir begrüßen den Leiter des Landesfilmarchivs Bremen, Dr. Diethelm Knauf. Unser Gastreferent - der ebenfalls Autor und Herausgeber verschiedener Veröffentlichungen zu Themen der Auswanderung ist - verfügt über faszinierendes, zum Teil bislang noch unentdecktes Material aus US-Archiven und einzigartige Film- und Fotodokumente aus der Zeit, als die Bilder gerade erst laufen gelernt hatten.

Gezeigt werden u. a die Anlagen des Norddeutschen Lloyd auf der Landzunge zwischen Kaiserhafen und Weser um 1920, eine Atlantik-Passage auf dem Dampfer „Dresden“ des NDL 1928, die Einwandererstation Ellis Island, Eindrücke von der deutschen Kultur in Amerika, dem italienischen Viertel in New York um 1900.

Wir freuen uns und laden Sie, Ihre Begleitung und gern auch Ihre Freunde und Bekannte zu diesem besonderen Vortrag herzlich ein.

Dr. Diethelm Knauf erzählt von den Erlebnissen bei Aufbruch, Überfahrt und Ankunft der Auswanderer. Gleichzeitig werden die Filmausschnitte und Fotos kommentiert, quellenkritisch eingeordnet und durch Zitate aus Literatur, Briefen und Biographien unterhaltsam angereichert.


Zweite Matinee 2011

am Sonntag, 3. April 2011 – 10.30 Uhr 

"Emigration auf Zeit": Von Bremerhaven nach Bosnien. Die Situation nach dem Krieg und der Wiederaufbau der Infrastruktur

Werner Graßmann, Finanzamt Bremerhaven, "Eine Emigration auf Zeit"  

Der Bremerhavener Werner Graßmann wurde 2001 von der EU in Brüssel gebeten, im Rahmen einer EU-Mission in Sarajevo und in Mostar Aufbauarbeit zu leisten. Nach 25 Jahren Steuerfahndungstätigkeit im Finanzamt Bremerhaven begann damit eine "Emigration auf Zeit", die bis 2006 andauerte. Der Vortrag beschreibt die Erlebnisse beim Wiederaufbau der Infrastruktur und die Situation nach dem Krieg in Bosnien.  

Beginnend mit Mostar – eine Stadt, die bis dahin Stadt noch verwaltungsmäßig in einen kroatischen und muslimischen Teil getrennt war - bestand die Aufgabe darin, landesweit Steuerfahndungsstellen einzurichten. Graßmann bezog gemeinsam mit seiner Frau - die ihn die ersten zwei Jahre begleitete - eine Mietwohnung im Zentrum Sarajevos. In einem Land, in dem es nur ca. 20 Autobahn-Kilometer gibt, musste der Bremerhavener viele tausend Kilometer zurücklegen: „Meine Kollegen in der Föderation hatte ich nicht nur allgemein auf ihre Aufgaben vorzubereiten, wichtig war auch die steuerlich-technische Unterstützung. Zudem musste ich ihnen oft Hilfestellung beim Abbau von Vorurteilen geben“.  

Zum Beginn seiner Arbeit sperrten sich die drei ethnischen Führungsgruppen gegen eine Einheit des Staates. Werner Graßmann: „Es wurden Netzwerke und Strukturen genutzt, um den jeweiligen nationalen Interessen durch Geldwäsche unter die Arme zu greifen – egal ob es sich um bosnische Muslime, Kroaten aus der Herzegowina oder um Serben handelte. So kam es vor, dass bei Vernehmungen offen eingeräumt wurde, dass die hinterzogenen Beträge der Unterstützung des gesuchten Kriegsverbrechers Karadzic dienten“.  

Als wesentlichen Erfolg sieht der Bremerhavener, dass es ihm im Verlauf seiner Aktivitäten gelang Serben, Kroaten und Muslime in einer Gruppe zu vereinigen und gemeinsame Arbeit zu leisten.   

tl_files/IMG_5660_ausschnitt02_.JPG

Nach 5 Jahren "Emigration auf Zeit" beendete Werner Graßmann 2006 seine Aktivitäten auf dem Balkan - aus familiären Gründen - Familie und Freunde in Bremerhaven waren in all den Jahren zu sehr in den Hintergrund geraten.  

Erste Matinee 2011

am Sonntag, 13. Februar 2011 - 10.30 Uhr 

"Ethnische Kolonien. Entstehung, Funktion und Wandel am Beispiel Türkischer Moscheen und Cafés"

Dem Freundeskreis ist es gelungen, den Sozialwissenschaftler Professor Dr. Rauf Ceylan für einen Vortrag in Bremerhaven zu gewinnen.

Mit seiner Dissertation „Ethnische Kolonien. Entstehung, Funktion und Wandel am Beispiel Türkischer Moscheen und Cafés im Jahre 2006“ erregte er beträchtliches Aufsehen und übernahm in der Stadt Duisburg die wissenschaftliche Begleitung zu den Themen Islam, islamische Organisationen sowie Migration und Integrationsfragen.  

In seiner Dissertation hat Ceylan zum ersten Mal systematische Einblicke in das Innenleben einer „türkischen Kolonie“ geliefert, in die Rolle von türkischen Imbissstuben, Lebensmittelläden, Reisebüros, Cafés, Büros der verschiedenen politischen Gruppierungen, Migrantenvereine und vor allem in die Rolle der Moscheen. „Ethnische Kolonien“ seien für den Eingliederungsprozess durchaus problematisch.  

Vor allem die Imane in den Moscheen hätten für die Integration von Einwanderern eine ganz entscheidende Bedeutung. Ihre politische und religiöse Orientierung, ihre Machtposition bestimme mit über die erfolgreiche Eingliederung der Muslime in die deutsche Gesellschaft. Ein zentrales Ergebnis seiner Arbeit ist es, dass der Extremismus sich außerhalb des organisierten Islams formiert. Denn die extremistischen Imame seien nur eine Minderheit unter den über 2000 Imamen in Deutschland, verfügten allerdings über ein hohes Mobilisierungspotenzial.   

Seit September 2009 lehrt er an der Universität Osnabrück Religionswissenschaften mit dem Schwerpunkt „Gegenwartsbezogene Islamforschung“. Zudem schult er seit 2008 im Auftrag der Konrad Adenauer Stiftung Imane in der Türkei in deutscher Landeskunde und Integrationsfragen.

akzeptieren Um unsere Website für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und Ihren Möglichkeiten Ihre Privacy-Einstellungen anzupassen, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.