Brauner schmeckt besser

Fritz Grannemann

Fritz Grannemann hat in Mexiko eine neue Heimat gefunden

BREMERHAVEN. Zwei Koffer, eine Kiste vom Germanischen Lloyd und ein paar Brocken Spanisch – viel hatte Fritz Grannemann nicht dabei, als er 1982 nach Mexiko versetzt wurde. Aus dem beruflichen Abstecher in ein fremdes Land, der eigentlich auf fünf Jahre befristet sein sollte, ist für den Bremerhavener mehr geworden – der Schiffbau-Ingenieur hat in Mittelamerika eine neue Heimat gefunden.

„Das ist der erste Vortrag, den ich auf Deutsch halte“, erzählte Grannemann, der auf Einladung des Freundeskreises des Deutschen Auswandererhauses sprach. Als Vizepräsident der Amerika-Abteilung des Germanischen Lloyds war Grannemann bis zu seinem Ruhestand im vergangenen Jahr von Kanada bis Chile ein gefragter Ansprechpartner für Reedereien und Hafenbehörden. So war seine Expertise unter anderem bei einer Konferenz gefragt, bei der es um die später realisierte Verbreiterung der Schleusen des Panama-Kanals ging. Auch heute noch nutzt der 63-Jährige seine vielfältigen Kontakte in der Region und vertritt zum Beispiel die Lemwerder Werft Abeking & Rasmussen in Mexiko. Grannemann zeichnete von dem Land der Azteken ein sympathisches, aber keineswegs geschöntes Bild. Dass in Mexiko seit 2006 mehr als 40 000 Morde begangen wurden, sprach der Bremerhavener ebenso an wie die große Kluft zwischen Arm und Reich. Sein Wissen über Mexiko sei 1982 – wie bei den meisten Deutschen – nicht sehr groß gewesen, wie Grannemann an einem Beispiel scherzhaft deutlich machte: „Damals kannte man in Deutschland nur den weißen Tequila. Heute weiß man, dass der Braune besser schmeckt.“

Im zweiten Teil seines Vortrages im Auswandererhaus ging Grannemann auf die Entwicklung der Containerschifffahrt ein, die Ende der 1960er Jahre mit Frachtern mit einer Kapazität von wenigen Hundert Standardcontainern (TEU) begonnen hatte. Inzwischen werden in Südkorea Schiffe gebaut, die 18 000 Blechboxen laden können. Als Fachmann des Schiffs-Tüv Germanischer Lloyd wusste Grannemann viele Details von den Herausforderungen, denen sich die Konstrukteure solcher Megafrachter stellen müssen, zu berichten. Die Belastungen, denen das Material auf hoher See ausgesetzt ist, wurde in imposanten Bildern deutlich.

Sonntangsjournal, 31.7.2011

„Archivare sind Jäger und Sammler“

Über die Auswanderung in Film und Fotografien sprach Dr. Diethelm Knauf im Deutschen Auswandererhaus.

Dr. Diethelm Knauf zeigt jüngst aufgespürte Filme über die Auswanderung mit dem Norddeutschen Lloyd

MITTE. „Wenn man sich einmal mit dem Thema Auswanderung beschäftigt hat, lässt es einen nicht mehr los.“ So erklärt der Leiter des Landesfilmarchivs Dr. Diethelm Knauf seine „Jagdleidenschaft“ für Film- und Fotodokumente zum Thema. Einige Filmaufnahmen, die er vor allem in US-Archiven entdeckte, zeigte Knauf nun im Rahmen eines Vortrags am Deutschen Auswandererhaus: „Der Norddeutsche Lloyd und die Auswanderung“. Wie stark der Norddeutsche Lloyd mit der Auswanderung verbunden war, zeigt laut Knauf nicht nur dessen Gründung kurz nach dem ersten Auswanderungs- Höhepunkt Mitte des 19. Jahrhunderts, sondern vor allem ein Blick auf die Geschäftsentwicklung. Zwischen 1880 und 1924, so Knauf, setzte das Unternehmen 325 Millionen Mark um, eine damals gewaltige Summe.

Von diesem Geld gründete der Lloyd mehrere Unternehmen und Industriebetriebe und schuf eine für die wirtschaftliche Entwicklung Bremens und Bremerhavens in jener Zeit essenzielle Infrastruktur. „Den Auswanderern verdanken die beiden Städte enorm viel“, betonte Diethelm Knauf. Filmisch zeigt sich die Bedeutung des Norddeutschen Lloyd unter anderem in einem Kamera-Blick auf dessen Anlagen, den ein süddeutscher Apotheker 1924 – auf  Reise zu einem internationalen Kongress – mit dem Dampfer „Columbus“ beiläufig einfing. Zufall und System Diese wenigen Sekunden innerhalb das langen Films stehen für die Arbeitsweise des Archivars,„einer Mischung aus Zufall und Systematik“, sagt er. „Ein Archivar ist immer auch Jäger und Sammler. Als ich von der Überfahrt hörte, wusste ich, dass sie von Hamburg oder Bremerhaven erfolgt sein musste. Genau diese 50-50-Chance habe ich genutzt.“ Von hohem historischem Wert ist auch ein Film, den der Schriftsteller Manfred Hausmann 1929 an Bord der „Dresden“-Fahrt nach Amerika aufnahm. Er zeigt die bislang einzigen bewegten Bilder von Auswanderern im dunklen, beengten Zwischendeck eines Ozeanriesen. Bisweilen skurril zeigt eine amerikanische Dokumentationen von 1940 die Gebräuche deutscher Einwanderer in den USA – Skatrunden, Bier und Blasmusik sind ebenso zu sehen wie die Arbeit eines Optikers und eines Uhrmachers.

Vortragsabschluss war ein Film von der Rückfahrt der „Bremen“ aus New York durch die britische Seeblockade kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Interessant ist der damals von den Nazis propagandistisch ausgeschlachtete
Film auch dadurch, dass er keine authentischen Bilder zeigt, sondern aus Aufnahmen früherer Überfahrten der „Bremen“ zusammengeschnitten wurde.

Nordsee-Zeitung, 29.06.2011

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